06-08-2025 – Die Inseln des ewigen Frühlings und wir sind raus aus Europa
06-08-2025 – Die Inseln des ewigen Frühlings und wir sind raus aus Europa

06-08-2025 – Die Inseln des ewigen Frühlings und wir sind raus aus Europa

Nun ist es also endlich soweit. Nach ausgiebiger Testfahrt und Abschluss aller Vorbereitungen machen wir nach 5 Monaten die Leinen in Arrecife los und setzen Segel Ri Gran Canaria. Dazu haben wir uns den Vorhafen von Arrecife ausgesucht, sehr zum Leidwesen eines Containerschiffs, dass natürlich genau jetzt aus dem Hafen ausfahren will. Die Besatzung des Lotsenboots sind nicht „amused“, obwohl wir ausweichen, also nichts wie rauf mit dem Segel und weg. Leider ist der Wind anfangs sehr übersichtlich, so dass wir den Motor unterstützend dazu nehmen. Ausserdem verabschiedet sich die Bremse vom Niederholer am Großbaum, so dass ein optimaler Segeltrimm schwierig ist. Wir versuchen unser Bestes mit Besan, Groß und Genua, schlussendlich nehmen wir aber das Groß weg und segeln nur mit Besan und Genua. Leider rutscht uns dann zu allem Überfluss auch noch der Rutscher vom Unterlieg am Besan aus den Führung am Baum, so dass wir den Baum nur noch bedingt weit rauslassen können. Alles nicht so optimal. 🥴 Also gibt es erstmal Nudelsalat zum Abendessen und der Wind ist dann auch noch gegen uns. In der Nacht, wir können inzwischen wieder Segeln, ist da plötzlich so ein seltsames quietschendes Geräusch aus dem Motorraum. Bei näherem Hinsehen stellt sich heraus, dass eine Seite der Antriebswellenkupplung abgebrochen ist. Nun hat die Welle Spiel und vibriert, ausserdem dreht sie beim Segeln nicht mehr mit. Machen können wir da jetzt nichts. Zum Glück bleibt der Wind, so dass wir den Motor nicht brauchen bis wir kurz vor der Marina in Las Palmas sind. Bei der Einfahrt unter Motor hört man dann aber ganz deutlich dass die Welle Geräusche macht und wir hoffen, dass wir möglichst schnell anlegen können. Das Manöver, längsseits am Check In Steg gestaltet sich schwierig. Die Anfahrt gegen den Wind misslingt beim ersten Versuch und wir fahren uns seitlich einen langen tiefen Kratzer ein, an freiliegenden Schrauben die nicht von unseren Fendern abgedeckt wurden 😭. Beim zweiten Versuch haben sich inzwischen einige Helfer am Steg eingefunden, die uns tatkräftig unterstützen. Wir sind durch und die Stimmung am Gefrierpunkt. Bei der Anmeldung im Marina Office klärt Franz ab, dass wir zumindest noch eine Nacht an diesem Steg liegen bleiben dürfen, damit wir die Erstversorgung des Kratzers machen können. Sehr sehr ärgerlich.

Am nächsten Tag Nachmittags müssen wir dann den Welcome Steg räumen und werden auf unseren finalen Liegeplatz gebracht. Hier funktioniert das Anlegen gut bis auf den üblichen Dreck von den Mooring Leinen. Unseren Kratzer haben wir bereits einige Male lackiert und mit Hilfe des Beiboots können wir die Arbeiten noch Abschließen.

Wie an jedem neuen Standort, grüßt auch hier täglich das Murmeltier 😉. Wo bekomme ich Ersatzteile, wer kann die Wellen Kupplung reparieren, wo können wir waschen, wo ist der nächste Supermarkt. Der große Vorteil der Marina in Las Palmas ist die ARC (Atlantic Rallye for Cruisers oder wie böse Zungen behaupten „Betreutes Segeln“) die jedes Jahr mit c.a. 300 Booten im Herbst hier einfällt und die Atlantik Überquerung ihrer Klienten vorbereitet. Daher sind alle Gewerke und Nautik Shops deutlich besser ausgestattet als in Lanzarote. Über Janis und Cindy mit ihrer „Heima“ haben wir eine Empfehlung für Miguel bekommen um die Wellenkupplung zu schweißen. Es ist erfrischend, zur Abwechslung mal Mechaniker zu haben die pünktlich, verbindlich und kompetent sind. Die Wellenkupplung ist schnell repariert und wieder eingebaut und nach ein paar kleinen Unsicherheiten in Punkto richtige Lage der Welle funktioniert alles wieder. Auch das temporäre Tropfen der Stopfbuchse lässt sich lösen und wir finden Zeit uns ein wenig die Insel anzuschauen. Las Palmas hat eine sehr schöne historische Altstadt und die Wanderung zum Pico de las Nieves ist einfach grossartig. Ausserdem hat diese Insel etwas, was wir auf Lanzarote schmerzlich vermisst haben: Es ist grün. Soooo schön. Letztendlich sind wir dann doch fast 3 Wochen hier, haben wieder interessante Menschen kennen gelernt und eine gute Zeit.

Da man ja bekanntlich aufhören soll wenn es am schönsten ist, checken wir schon seit ein paar Tagen passende Wetterfenster für unsere Überfahrt auf die Kap Verden. Unser Sprung raus aus Europa und der bisher längste Schlag. Spannend. Wie wird es uns gehen, wie kommen wir klar?

Die Windvorhersage prognostiziert die ersten Tage stabilen Passatwind und wir beschließen, unsere Genua gegen die Passatsegel zu tauschen. Es dauert eine ganze Weile bis die Segel aufgezogen sind und sich auch ein und ausrollen lassen. Try und Error. Für uns ja auch das erste Mal. Daher ist es gut, dass wir es am Liegeplatz gemacht haben und nicht unterwegs. Da die Passatsegel ja ausgebaumt gefahren werden, lassen wir zur Überprüfung die beiden Spibäume herunter und das ist auch gut so. Gleich beim ersten Baum ist das Mastfitting gebrochen. Ich möchte mir nicht vorstellen dass uns das draussen passiert. Zu unserer großen Überraschung hat der Segelmacher Alisios das Teil da und wir können den Baum relativ schnell reparieren. Leider gibt es keinen Ersatz für den anderen Baum. Daher lackieren wir das Teil neu und hoffen, dass es so recht lang hält.

Nun ist also alles vorbereitet und am 28.07.2025 um 10.30 lösen wir die Leinen in Las Palmas und machen uns, nach einem kurzen Tankstopp, auf den Weg nach Mindelo. Natürlich will Franz das Setzen der Segel inklusive Bäume wieder im Vorhafen machen, was aber so nicht funktioniert. Ausserhalb in Küstennähe geht es dann besser, ist aber insgesamt sehr stressig und als die Bäume endlich da sind wo sie hin sollen, stellt sich heraus, dass die Schoten an den Segeln falsch angebracht sind und sich nicht ausrollen lassen. Was also tun. Vom Deck aus ist das nicht zu machen da zu hoch am Vortstag, daher entscheiden wir, in den Süden der Insel zu motoren um ruhigere Bedingungen zu haben. Dort können wir das Problem beheben und endlich die Passatsegel setzen. Leider habe ich nicht mehr all zu viel davon, ich bin zu diesem Zeitpunkt schon heftig Seekrank. Damit ist der erste Tag gelaufen. Ich falle in die Koje für die nächsten 20h und Franz muss die erste Nachtschicht ganz alleine machen. Sorry. So heftig wie es mich erwischt, so schnell ist es dann auch wieder vorbei und es geht nur noch aufwärts. Wir segeln mit dem Passat und grooven uns ein. Es ist so schön. So muss Segeln sein. Wir nehmen sogar unsere Aries (Windfahnensteuerung) in Betrieb und was soll ich sagen – funktioniert. Natürlich ist in Punkto Einstellung noch ganz viel Luft nach oben, aber an Möglichkeiten zum Üben fehlt es uns ja nicht. So gehen die Tage dahin und wir nähern uns unserem Ziel immer ein bisschen mehr.

Leider verlässt uns dann, wie vorhergesagt, irgendwann der Wind und wir bergen Segel und Bäume. So richtig Lust auf Motor haben wir aber nicht und beschließen unseren Genacker auszupacken. Es bedarf einiger Vorbereitung aber dann ist es soweit und das Edelweiß steht. Schaut schon fancy aus. Leider passen die Einstellungen noch nicht optimal, aber zumindest haben wir schon mal ein Gefühl bekommen. 😀

Zum Abend hin muss dann doch der Motor ran, allerdings verabschieden sich die Motorraumlüfter und wir müssen mit offener Tür fahren. Der Salon entwickelt sich zur Sauna und wir verlegen unseren Schlafplatz ins Deckshaus. Die Nächte sind teilweise sternenklar und man sieht fluoreszierende Algen im Wasser. Die letzten beiden Tage bis Mindelo motoren wir so.

Und dann sind wir da, 1000sm, 6 Nächte, 7 Tage, wir haben es geschafft und es geht uns super. Danke Amber!

Das Anlegen ist hier auch etwas besonderes, Heck zum Pier, vorne aber keine klassische Mooring sondern Bojen. Die Marineros sind super und und helfen beim Festmachen. Überhaupt sind die Leute rundherum sehr freundlich und hilfsbereit. Bereits am Nachmittag kommt Elisabeth und holt die Wäsche ab. Das nenne ich mal Service. Und natürlich treffen wir unseren Freund Martin Daldrup „Martin_Jambo“

Willkomen in Mindelo 😀.