13-03-2026 – Der Beagle Kanal Teil I
13-03-2026 – Der Beagle Kanal Teil I

13-03-2026 – Der Beagle Kanal Teil I

Nach 5 Wochen verlassen wir, mit neuer Kühlwasserpumpe im Generator, Puerto Williams und lassen viele neue Freunde zurück. Einige werden wir vielleicht mal wieder irgendwo treffen, mit anderen bleibt man digital in Kontakt und wieder andere verlieren sich auf dem weiteren Weg, ein ständiges Kommen und Gehen. Abschied nehmen ist die Kehrseite der Medaille. Diesmal sind mir besonders die 2 Mädels (4 & 6) einer deutschen Segelfamilie ans Herz gewachsen. Mehrmals hatten wir sehr fantasievolle Kinderspiel Nachmittage bei uns auf dem Boot. Was für eine tolle Erfahrung für die 2, in einer solchen Umgebung aufzuwachsen.

Das Ablegemanöver ist wie immer mit viel Arbeit verbunden. Da alle Boote im Päckchen aneinander liegen, müssen die Eigner der jeweiligen Nachbarboote natürlich auch da sein, um diverse Leinen zu lösen. Jedesmal ein großes Spektakel und alle helfen zusammen. Und dann ist es soweit, wir fahren hinaus auf den Beagle Canal Richtung Westen. Das Wetter ist traumhaft, Sonne, blauer Himmel, ohne Wind, so motoren wir unserem ersten Ziel entgegen, der Caleta Liwaia. Die Herausforderung hier in den Kanälen ist, immer einen passenden Ankerplatz für die Nacht zu finden. Je nach Wind und Welle muss darauf geachtet werden, dass der Wind das Boot nicht auf´s Land drücken kann falls der Anker nicht hält und nicht zu viel Welle in die Bucht herein drückt wenn es stärkeren Wind im Kanal gibt. Zusätzlich muss man hier noch sogenannte Landleinen ausbringen. Dazu haben wir sowohl vorne am Bug als auch hinten am Heck an jeder Seite einen großen Sack mit 100m schwimmfähiger Leine. Diese bringt man mit dem Beiboot an Land und befestigt sie an einem Baum oder großen Felsen. Somit ist das Boot verspannt und kann sich weder nach vorne noch nach hinten noch zur Seite bewegen. Die Buchten in denen hier geankert werden kann sind häufig so schmal, dass ein Boot nicht mit dem Wind um den Anker drehen kann. Für uns ist es das erste Mal, dass wir so ankern und zum Glück haben wir beste Bedingungen. Trotzdem treibt es mir etliche Male den Schweiß auf die Stirn bis die letzte Landleine liegt. Ist schon ein ziemlicher Aufwand. Da wir sehr früh aufgestanden sind lassen wir den Abend zügig ausklingen. Der Wecker klingelt morgen wieder um 6:00.

Inzwischen ist es auch hier morgens um diese Zeit noch dunkel. Nach dem Frühstück und Verstauen aller Sachen machen wir uns an das Lösen der Landleinen. Der gleiche Prozess wie gestern nur andersherum. Es klappt erstaunlich gut und um 8:05 verlassen wir die Caleta Liwaia und machen uns auf den Weg Richtung Caleta Pia. Dort gibt es einen Gletscher der bis zum Wasser runter kommt und in regelmäßigen Abständen kalbt. Dann brechen große Eisstücke ab und fallen in die Bucht. Das möchten wir uns unbedingt anschauen. Auch auf dem Weg dorthin sehen wir schon viele Gletscher und Wasserfälle, ein grandioser Anblick. Heute ist das Wetter leider nicht so schön. Immer wieder kommt böiger Wind auf und Sonne und Regen wechseln sich alle paar Minuten ab. Leider kommt der Wind genau von vorne, so dass wir nicht einmal Motorsegeln können, Schade.

Kurz vor der Einfahrt zum Gletscher checken wir noch einmal die Gegebenheiten und dabei fällt auf, das bereits ein Boot in „unserer“ Caleta liegt. So ein Pech. Damit haben wir nicht gerechnet. Aber da wir ja gut vorbereitet sind, haben wir natürlich einen Plan B und um diesmal ganz sicherzugehen, checken wir die Caleta gleich über Marine Traffic. Tja, das Glück ist heute definitiv nicht auf unserer Seite. Auch dort liegen bereits mehrere Boote. Jetzt muss eine neue Idee her, nah genug dass wir nicht in der Dunkelheit ankommen. Die Wahl fällt auf die Caleta Alakush. Dort soll es bei den gegenwärtigen Bedingen gut geschützt sein. Das bedeutet 1h mehr Fahrzeit und am Gletscher sind wir dann auch schon ein gutes Stück vorbei. Aber hilft jetzt nichts, wir brauchen einen guten Platz für die nächsten 2 Nächte da stärkerer Wind von vorne angesagt ist und wir nicht weiterfahren können. Um 18:30 erreichen wir die Caleta Alakush. Schon die Zufahrt ist ziemlich eng und voller Kelp. Noch dazu entscheidet sich der Wind uns mit 25kn in die Bucht hinein zu drücken, nicht gerade hilfreich wenn alles sehr eng ist und man nicht weiss wie weit man zurück fahren kann bevor man aufsitzt. Wir schaffen es trotz Wind uns umzudrehen und werfen den Anker. Vier Versuche später versuchen wir noch immer den Anker zu plazieren, aber er hält einfach nicht. Jedesmal wenn wir ihn wieder aufholen hängt tonnenweise Kelp dran, was wir runter schneiden müssen. Einmal sitzt auf einem Kelp Blatt eine juvenile King Crab, sehr verwundert dass es plötzlich aufwärts geht. Langsam verliere ich die Nerven, bin überfordert. Wir starten einen weiteren Versuch etwas weiter hinten und diesmal sieht es so aus als ob der Anker hält. Nun heisst es schnell die Landleinen auszubringen, da wir nicht genug Platz haben um uns zu drehen. Ich hab die Wahl zwischen Pest und Cholera. Das Boot gerade halten will ich auf keinen Fall, die Landleinen ausbringen aber eigentlich auch nicht…..aber da wir leider nur eine 2er Crew sind habe ich keine wirkliche Wahl und steige mit Schäkel, Gurt und Landleine ins Beiboot. Am Ende geht es besser als erwartet. Ich rudere an allen Seiten ans Ufer, klettere über Felsen bis ich einen passenden Baum finde und befestige die Leine. Insgesamt bringen wir 4 Stück aus und liegen dann sehr ruhig und gut abgespannt. Der Wind kann kommen. Um 20:30 ist alles geschafft und wir fallen nach einem kurzen Abendessen ins Bett. Am nächsten Morgen können wir es etwas ruhiger angehen lassen, da wir heute noch hier bleiben und so nutzen wir den Tag für einige kleine Arbeiten die sonst immer liegen bleiben. Am Nachmittag wollen wir einen Ausflug zum Ufer machen und die nähere Umgebung erkunden. Gerade als wir uns fertig machen höre ich ein Bugstrahlruder. Zuerst denke ich, das kann nicht sein. In diese Bucht passt unmöglich noch ein Boot. Aber dann sehen wir tatsächlich eine Aluyacht, die gerade im Begriff ist neben uns einzuparken. Ich glaub´s ja nicht. Wir gehen raus und nach einem kurzen Wortwechsel hängen wir Fender raus und öffnen unsere Landleine auf einer Seite. Die nächste Stunde vergeht mit Leinenarbeit bis wir als Paket fest verschnürt sind. Es ist eine französische Familie mit 2 Jungs (5 & 10) die aus Puerto Montt kommend auf dem Weg nach Puerto Williams sind. Auf den ersten Blick sehr sympathisch.

Nachdem wir sicher sind, dass wir gut liegen fahren wir zum Ufer und erkunden die Gegend. Der Boden ist hier mit Wasser vollgesogen und besteht aus schilfähnlichen Gräsern und Moosen die bei jeden Schritt wie ein Schwamm das Wasser freigeben. Ein eigenartiges Gefühl beim Gehen. Wir erklimmen einen kleinen Hügel und haben von dort oben einen grandiosen Blick über die Bucht bis zum Beagle Canal. Recht bald beginnt es erneut zu regnen und wir treten den Rückweg an. Während wir gerade Abendessen, klopfen die Nachbarn und laden uns auf Glühwein ein. Es wird ein sehr netter kurzweiliger Abend. Morgen bleiben wir noch hier, Sonntag möchten wir dann weiter, wenn das Wetter passt.

After five weeks, with a new coolant pump installed in the generator, we leave Puerto Williams, leaving behind many new friends. We may run into some of them again somewhere down the line; with others, we’ll stay in touch online; and still others will fade from view as we continue on our journey—a constant coming and going. Saying goodbye is the flip side of the coin. This time, I’ve grown particularly fond of the two girls (ages 4 and 6) from a German sailing family. We’ve had several afternoons of very imaginative children’s play on our boat. What a wonderful experience for the two of them to grow up in such an environment.

As always, the departure maneuver involves a lot of work. Since all the boats are moored close together in a tight pack, the owners of the neighboring boats must of course be there to untie various lines. It’s always quite a spectacle, and everyone pitches in to help. And then the moment arrives: we head out onto the Beagle Channel, heading west. The weather is fantastic—sun, blue skies, and no wind—so we motor toward our first destination, Caleta Liwaia. The challenge here in the channels is always finding a suitable anchorage for the night. Depending on the wind and waves, you have to make sure the wind can’t push the boat toward shore if the anchor fails, and that not too many waves enter the bay if there’s strong wind in the canal. Additionally, you have to deploy so-called shore lines here. For this, we have a large bag with 100 meters of buoyant line on each side, both at the bow and at the stern. You take these ashore in the dinghy and secure them to a tree or large rock. This way, the boat is secured and cannot move forward, backward, or sideways. The bays where you can anchor here are often so narrow that a boat cannot swing around the anchor with the wind. This is the first time we’ve anchored this way, and luckily we have perfect conditions. Still, I break out in a sweat several times until the last shore line is secured. It’s quite a bit of work. Since we got up very early, we wrap up the evening quickly. The alarm goes off again tomorrow at 6:00.

By now, it’s still dark here at this time in the morning. After breakfast and stowing everything away, we set about untying the shore lines. The same process as yesterday, only in reverse. It works surprisingly well, and at 8:05 a.m. we leave Caleta Liwaia and head toward Caleta Pia. There’s a glacier there that extends all the way down to the water and calves at regular intervals. Then large chunks of ice break off and fall into the bay. We definitely want to see that. Even on the way there, we already see many glaciers and waterfalls—a magnificent sight. Unfortunately, the weather isn’t so nice today. Gusty winds keep picking up, and sun and rain alternate every few minutes. Unfortunately, the wind is coming straight from the front, so we can’t even motor-sail—what a shame.

Just before the entrance to the glacier, we check the conditions one more time and notice that there’s already a boat in “our” cove. What bad luck. We didn’t expect that. But since we’re well prepared, we naturally have a Plan B, and to be absolutely sure this time, we check the cove right away on Marine Traffic. Well, luck is definitely not on our side today. There are already several boats there, too. Now we need a new idea—close enough so we don’t arrive in the dark. We decide on Caleta Alakush. It’s supposed to be well-protected there under the current conditions. That means an extra hour of sailing, and by then we’ll have already passed the glacier by quite a bit. But there’s nothing we can do about it now; we need a good spot for the next two nights since stronger headwinds are forecast and we can’t continue on. At 6:30 p.m., we reach Caleta Alakush. Even the approach is quite narrow and full of kelp. On top of that, the wind decides to push us into the bay at 25 knots—not exactly helpful when everything is very tight and you don’t know how far back you can go before running aground. Despite the wind, we manage to turn around and drop anchor. Four attempts later, we’re still trying to set the anchor, but it just won’t hold. Every time we haul it back up, tons of kelp are hanging on it, which we have to cut off. Once, a juvenile king crab is sitting on a kelp leaf, very surprised that it’s suddenly going up. I’m slowly losing my patience; I’m overwhelmed. We make another attempt a little further back, and this time it looks like the anchor is holding. Now we have to quickly throw out the mooring lines, since we don’t have enough room to turn around. I’m stuck between a rock and a hard place. I definitely don’t want to keep the boat upright, but I don’t really want to cast the shore lines either… but since we’re unfortunately only a two-person crew, I have no real choice and climb into the dinghy with a shackle, a strap, and a shore line. In the end, it goes better than expected. I row to the shore on all sides, climb over rocks until I find a suitable tree, and secure the line. In total, we set out four lines and are then moored very securely and comfortably. Let the wind come. By 8:30 p.m., everything is done, and after a quick dinner, we fall into bed. The next morning, we can take it a bit easier since we’re staying here today, so we use the day for some small tasks that usually get put off. In the afternoon, we plan to take a trip to shore and explore the surrounding area. Just as we’re getting ready, I hear a bow thruster. At first, I think, that can’t be. There’s no way another boat could fit in this cove. But then we actually see an aluminum yacht that’s just about to pull up alongside us. I can’t believe it. We go out, and after a brief exchange, we hang out the fenders and open our mooring line on one side. The next hour is spent tying lines until we’re securely tied up as a bundle. It’s a French family with two boys (5 & 10) who are coming from Puerto Montt and heading to Puerto Williams. Very friendly at first glance.

Once we’re sure we’re securely moored, we head ashore to explore the area. The ground here is saturated with water and consists of reed-like grasses and mosses that release water like a sponge with every step. It’s a strange feeling when walking.

We climb a small hill and from up there have a magnificent view across the bay to the Beagle Channel. Pretty soon it starts raining again and we head back. Just as we’re having dinner, the neighbors knock and invite us over for mulled wine. It turns into a very nice, entertaining evening. We’ll stay here one more day tomorrow; on Sunday we’d like to move on, weather permitting.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert