Nun sind wir schon über 14 Monate unterwegs. Weg von unseren Familien und Freunden, weg von unserer Arbeit, unserem Umfeld, unseren Gewohnheiten. Was macht das mit einem? Zumindest für mich kann ich sagen, es hat mich verändert und den Blick auf das Wesentliche geschärft. Ich habe viel über mich, meine Fähigkeiten und Grenzen gelernt. Aber auch viel über uns als Paar und Team. Es wäre gelogen zu behaupten, dass in der gesamten Zeit immer nur alles toll und Sonnenschein war. Es gab gemeinsame Krisen, aber auch persönliche. Meine zunehmende Seekrankheit und der damit verbundene Stress zählt sicher zu den bisher negativsten Erfahrungen unserer Reise. Nicht nur das Unwohlsein an sich, auch die fehlende Motivation und die „kurze Zündschnur“ tragen dann nicht gerade zur guten Stimmung an Bord bei. Hier möchte ich mich besonders bei meinem Mann bedanken, der das alles ausgehalten hat. Streckenweise war ich mir sicher, ich kann diese Reise nicht fortsetzen. Auf der anderen Seite bin ich aber für meinen „sturen“ Ehrgeiz bekannt und Aufgeben war noch nie eine Option. Also doch der Griff zu „legalen Drogen“. Dank der modernen Medizin und eines Antihistaminikums das nicht müde macht, bin ich ein anderer Mensch. Ich kann wieder genießen, habe Energie, keine Spur von Unwohlsein und die Stimmung an Bord könnte grad nicht besser sein. Und für alle, die sich überlegen wie es wohl sein muss als Paar auf 60qm 24/7 zusammen zu sein, kann ich nur sagen, ja es gibt Reibungspunkte und auch Auseinandersetzungen, aber es ist viel problemloser als ich es erwartet habe. Man wächst zu einem Team zusammen und weiß auf wen man sich 150% verlassen kann. Ein weiterer großer Dank gilt unseren Familien und Freunden, die uns unterstützt, und nie versucht haben uns unser Vorhaben auszureden. Und trotz regelmäßigem Kontakt werden sie natürlich sehr vermisst. ❤️
Am Nachmittag des 12.11.2025 verlassen wir Vitoria und motoren weiter Ri Süden. Obwohl der Wind laut Vorhersage erst später kommen soll, ist er erfreulicherweise schon da und wir können mit ausgebaumter Genua segeln, sogar richtig flott. Das macht gute Laune 😀. Ausserdem ist es nicht mehr ganz so heiss, in der Nacht kann ich schon wieder eine Jacke vertragen. Bis Freitag in der Früh genießen wir das entspannte Champagner Segeln….. bis mich plötzlich ein lauter Ruf aus meinen Träumen reißt, die Panik ist deutlich herauszuhören. Im Deckshaus angekommen sehe ich die Bescherung. Der Spibaum ist mittig gebrochen und das Segel flattert wild. Also rein in die Rettungsweste, sichern und raus zum Segel bergen, anschließend die Baumteile sichern. Ja so ein Sch…….Wie und warum der Baum gebrochen ist lässt sich nicht sagen. Kurz vorher hat er sich wohl in einer Böe gebogen. Vielleicht war er nach unten nicht gut genug abgespannt. Aber das ist alles nur Spekulation. Zum Glück im Unglück haben wir 2 Bäume, so dass wir auch weiterhin Vorwind Segeln können und die angekündigte Flaute erreicht uns dann am Freitag sowieso. Also wieder die Maschine an. Die offene Motorraum Tür bringt natürlich neben der Wärme auch eine ziemliche Geräuschkulisse mit sich und Schlafen geht nur noch bei geschlossener Schlafzimmertür, was zu einem weiteren Problem führt, sollte der Wachhabende Unterstützung benötigen. Rufen reicht dann nicht mehr. Man muss den Schlafenden persönlich wecken. Alles etwas suboptimal. Ich hoffe sehr, wir bekommen das irgendwann final in den Griff. So motoren wir dahin und vertreiben uns die Zeit mit Lesen, Schlafen und Essen. Der nächste Rückenwind ist für Samstag früher Abend angekündigt. In froher Erwartung sehen wir der nächsten Segeletappe entgegen und „sehen, dass wir nichts Sehen“. Die ganze Nacht auf Sonntag warten wir also auf Wind. Irgendwann zwischen 2 Wachperioden setzen wir dann zumindest mal die Genua zum Motorsegeln (den Baum haben wir in weiser Voraussicht bereits am Nachmittag vorbereitet). Zur Sicherheit spannen wir ihn diesmal mit Segel noch einmal ordentlich ab, ein mulmiges Gefühl bleibt trotzdem. Sonntag in der Früh kommt er dann endlich, der Wind 🙏 und nach einer Weile kann ich den Motor abstellen. Was für eine himmlische Ruhe. Natürlich „battlen“ wir uns auch diesmal wieder mit einem Tief aus Süden, wer zuerst Florianopolis erreicht. Dazu kommt, dass wir beim nächsten Stop Diesel und Wasser tanken müssen. Eigentlich haben wir uns bereits eine Marina ausgesucht wo wir alles bekommen, aber bei näherer Betrachtung fällt auf, dass man in die Bucht von Florianopolis zwar von oben hinein aber nicht nach unten Ri Süden hinausfahren kann, da wir unter der Brücke in der Mitte nicht durchkommen. Na toll. Eine andere Möglichkeit zum Tanken muss her. Wir befragen Apps und Chatgruppen und entscheiden uns am Ende für Itajai. Montag Morgen laufen wir hier ein und mit tatkräftiger Unterstützung ist schnell angelegt. Jetzt erstmal Frühstück und dann einklarieren. Da auch in dieser Marina die Türschlösser der Stege mit Gesichtserkennung arbeiten, muss ich mit zum Büro. Wie immer verständigen wir uns mit Händen und Füßen und einer Übersetzungsapp und die Leute sind sehr freundlich. Ebenso freundlich wird uns vermittelt, dass hier alles etwas teurer ist, obwohl wir eigentlich der Annahme waren, dass die Kosten Ri Süden noch weiter fallen oder zumindest gleich bleiben. Tja, falsch gedacht. Diese Marina ist seit Italien wieder eine der teuersten. Über 80 Euro/Nacht (gut Strom und Wasser sind inklusive, ist trotzdem teuer) 😵💫. Das sind wir so nicht mehr gewöhnt. Aber auch ausserhalb der Marina sind die Preise deutlich höher, beim Bäcker, in der Pizzeria etc. Na gut, dafür gibt es aber tolle Sanitäranlagen. Super sauber, schön gemacht und mit einem Vorleger, dass man nicht auf die kalten Fließen treten muss wenn man aus der Dusche kommt. Welch ein Luxus 😂. Wir planen hier bis Donnerstag/Freitag zu bleiben und neben allen Bootsarbeiten auch einen Ausflug nach Blumenau zu machen. Blumenau war eine deutsche Kolonie, gegründet Ende des 19. Jahrhunderts von deutschen Einwanderern um den Apotheker Hermann Blumenau. Der deutsche Einfluß prägt mit seinen Fachwerkhäusern auch heute noch das Stadtbild und es gibt „Eisenbahnbier“. Wir sind schon sehr gespannt. Anschließend geht es dann weiter Richtung Uruguay. Je nach Wetter und Wind können wir auch diese letzte Strecke nicht am Stück fahren. Allerdings werden die Möglichkeiten für geschützte Stops immer weniger. Wir werden sehen.









