Nun ist es also soweit. Es tut sich ein Wetterfenster auf und wir verlassen nach 8 Tagen Mindelo und starten ins Abenteuer Atlantik Überquerung.
Mindelo hatte erstmalig auf unserer Reise eine gewisse Exotik, war aber an sich nicht besonders spektakulär. Leider mussten wir dort noch ein heftiges Unwetter miterleben das zu einer Schlammlawine führte und den Ort praktisch stilllegte. Strom fiel aus, Wasserpumpen funktionierten nicht mehr, Geschäfte und Restaurants liefen voll. Eine Katastrophe für die Bevölkerung. Wir waren Gott sei Dank nur am Rande betroffen. Ausser einer Luke, die nicht korrekt geschlossen war und zu einer mittleren Überschwemmung im Salon führte, kamen wir glimpflich davon. Daher fiel uns der Abschied dann auch nicht allzu schwer. Nach einem kurzen Tankstop verlassen wir am Mittwoch 13.08.25 die Insel Richtung Brasilien.
Nach allem was wir schon durch haben, ist es ein erhabenes Gefühl nach fast einem Jahr endlich die Atlantik Überquerung anzupacken.
Die ersten 3 Tage Motoren wir durch absolute Flaute. Der Atlantik sieht aus wie ein Badewanne und ich nehme meinen Versuch einen Fisch zu fangen wieder auf. Allerdings erfolglos. 2 Köder werden mir abgerissen, ohne dass ich den Kandidaten der angebissen hat auch nur zu Gesicht bekomme. Am 4. Tag kommt dann endlich der erwartete Wind und beendet meine dilettantischen Versuche. 🥴 Wenn man nach Brasilien segelt hat man leider keinen Passat, so wie Richtung Karibik, also kein komfortables Vorwind Segeln sondern ungemütlicher Am Wind Kurs. Dieser geht vor allem mit Krängung einher und macht Bewegungen und Handgriffe an Bord aufwendig und anstrengend. Es dauerte eine Weile bis wir mit der Einstellung der Segel eine einigermaßen stabile Fahrt hinbekommen. Und bei vollen Segeln eine Wende fahren wenn der Autopilot den neuen Kurs nicht hält ist auch kein Spaziergang. Ich hänge mit meinem gesamten Gewicht am Steuer und kann es trotzdem kaum verhindern dass das Schiff immer weiter anluvt. Schließlich rufe ich in meiner Panik nach Franz der draussen noch an den Segeln arbeitet. Er übernimmt und ich bin durch. Wenn das so weiter geht dann steige ich in Brasilien aus. Ich werde auch prompt Seekrank, bzw. hab mir wohl irgendeinen Virus aus Mindelo mitgenommen und bleibe die nächsten 3 Tage ausgenockt in meiner Kajüte.🤢😵💫 Das geht ja gut los. Irgendwie habe ich mir das anders vorgestellt. Die Euphorie ist verflogen, Überforderung macht sich breit und ich hinterfrage zum wiederholten Mal ob ich mir hier nicht zu viel vorgenommen habe. Allmählich geht es mir dann aber wieder besser und ich beginne mich zu adaptieren.
Unser Kurs nach Fernando de Noronha ist nicht so einfach zu segeln. Wir müssen durch die sogenannte Konvergenz Zone, haben mit wechselnden Windstärken und Strömungen zu kämpfen und müssen Winkel segeln die für unser Boot eigentlich zu steil sind, um den Wende Punkt zum Halbwind zu erreichen. Wenn wir diesen verpassen erreichen wir die Insel nicht, da wir nicht gegen den Wind Motoren können. Zwischenzeitlich diskutieren wir auch alternative Routen, sollten wir mit den Windverhältnissen nicht klar kommen. Guyana/Surinam wäre eine Option. Am Ende gelingt es uns aber Tag für Tag besser uns an die Windverhältnisse anzupassen und als wir dann endlich Wenden und auf dem Steuerbordbug fahren können beginnt der schöne Teil der Überquerung. Wir ziehen mit 3 Segeln und 5.5-7kn Geschwindigkeit dahin. Die „eiserne“ Lady kann richtig laufen.💪 Und so nähern wir uns langsam unserem Ziel. Der Wind bläst beständig und wir finden gut zurück in unsere Routine.
Ein besonderes Highlight der Route ist die Überquerung des Äquators vom Nordatlantik in den Südatlantik. Dies muss natürlich gebührend gefeiert werden mit einer Äquatortaufe und einen hochprozentigen Schluck sowohl für Neptun, damit er uns gewogen bleibt, als auch für die Täuflinge.
2 Tage vor unserer vorraussichtlichen Ankunft stellen wir fest, dass wir mitten in der Nacht die Bucht erreichen werden, was allerdings nicht empfehlenswert ist, da dort vielen Mooringbojen liegen. Man möchte sich ja keine Mooringleine einfahren. Wir versuchen Geschwindigkeit aus dem Boot zu nehmen um unsere Ankunftszeit anzupassen. Segel werden gerefft, allerdings vermindert sich unsere Geschwindigkeit erst einmal nicht signifikant. Was für ein Luxusproblem 😂. Erst als wir die Genua fast komplett wegnehmen verringert sich unsere Geschwindigkeit auf zumindest 4kn. Natürlich kommen wir dann trotzdem im Halbdunkel an und treiben noch bis Sonnenaufgang vor der Insel. Langsam wird die Bucht sichtbar und und die Erkenntnis stellt sich ein: „Wir haben es geschafft“. „Wir haben den Atlantik überquert“. Nachdem der Anker gefallen ist sehen wir im ersten Tageslicht eine große Gruppe Delphine, die jeden Tag in diese Bucht kommt und für die diese Insel bekannt ist. Es ist überwältigend. Und dann stellt sich erste Müdigkeit ein, da wir diese Nacht nicht wirklich viel geschlafen haben.
Ein paar Stunden später lassen wir das Beiboot runter und Franz fährt an Land zum Einklarieren, während ich schon einmal das Boot innen einer gründlichen Reinigung unterziehe.
Am Abend fahren wir dann gemeinsam an Land um unsere Ankunft bei einem Abendessen gebührend zu feiern. So setze ich nach 14Tagen und 17h zum ersten Mal wieder einen Fuß auf festen Boden. Morgen werden wir uns mal mit der Infrastruktur im Ort befassen und unsere Schulden beim Hafenkapitän bezahlen. Mit Karte ist da nicht. Nur Bares ist Wahres und wir müssen uns auch noch mit Landeswährung eindecken.
Anbei noch ein paar Fakten zur Überfahrt:
Distanz: 1752,9 nm
Dauer: 14Tage 17h
Geschwindigkeit Durchschnitt: 4.96kn
Wasserverbrauch: 26l/Tag für 2
Schäden: Pumpe in der Küche, Lüfter Motorraum (mal wieder), Mastrutscher Großsegel














