09-11-2025 – Brasilien Teil 3 eine der gefährlichsten Städte der Welt
09-11-2025 – Brasilien Teil 3 eine der gefährlichsten Städte der Welt

09-11-2025 – Brasilien Teil 3 eine der gefährlichsten Städte der Welt

Am 17.10.2025 verlassen wir endlich Recife in Richtung Salvador de Bahia. Unsere Motorraum Lüfter sind repariert und funktionieren wieder einwandfrei und wir verlassen bei guten Bedingungen die Marina, froh wieder unterwegs zu sein. Leider hält die gute Stimmung nicht lange an. Nach c.a. 2 Stunden geht Franz runter in den Salon und Sekunden später höre ich ihn schreien „hier ist alles nass“…..“F*****, hier steht eine Luke auf“. Der Kardinal Anfängerfehler 😵‍💫. Unnötig zu erwähnen, dass wir vorher so richtig schön in die Welle gefahren sind. Salzwasser hat sich über die gesamte grosse Sitzecke ergossen, ist in alle Schabs und Schubladen und unter die Bodenbretter gelaufen, auch da wo die Batterien verbaut sind (zum Glück ist hier nichts kaputt gegangen, dass hätte echt ins Auge gehen können), bis auf die gegenüberliegende Sitzecke. Der Supergau. Warum die Luke offen war und wer was nicht gesehen oder zugemacht hat lässt sich im Nachhinein nicht mehr lösen, ist auch egal. So drehen wir also um, in dem Wissen, dass uns eine gewaltige Putzaktion bevorsteht. Nach 2 Stunden laufen wir in die Marina ein, zurück auf unseren alten Platz und beginnen alles auszuräumen und trocken zu legen. Was für eine Schufterrei. Zumindest müssen wir nur für eine Nacht bezahlen, da der Marinero wohl Mitleid mit uns hat 😂. Nach 2 Tagen Arbeit ist alles wieder sauber und trocken und wir starten am 19.10.2025 einen weiteren Versuch Richtung Salvador. Natürlich ist unser gutes Wetterfenster zu und es kündigen sich die nächsten Tiefs aus Süden, mit Starkwind auf die Nase, an. Dazu muss man wissen, das dass Segeln an der brasilianischen Küste Richtung Süden nicht so ganz einfach ist. Der Wind dreht schnell und man kann nicht länger mit konstantem Bedingungen planen. Wir wissen bereits, dass wir uns auf dem Weg nach Salvador auch wieder ein ruhiges Eckchen suchen müssen. Die Wahl fällt auf Aracaju. Diese Bucht ist gut geschützt, aber die Anfahrt ist tricky. Zum Glück hat uns ein Segelfreund seinen Track geschickt dem wir genau nachfahren. Das Problem ist die Brandung die sich, auf Grund der geringen Wassertiefe, vor der Einfahrt aufbaut. Noch dazu kommt die Tide, die je nach Richtung, mit dir und dem Wind oder auch dagegen ist. Die Anfahrt gestaltet sich spannend, aber wir kommen gut rein. Ein bisschen graut uns heute schon vor der Ausfahrt morgen, aber dann fällt der Anker und wir genießen die kurze Auszeit. Am nächsten Tag geht es bereits um 04:00 früh los, mit auflaufendem Wasser, damit wir genau in dem kurzen Zeitraum zwischen „high Tide“ und dem Beginn des ablaufenden Wassers an der Ausfahrt sind und dadurch hoffentlich weniger Brandung und keinen Strom haben. So ist zumindest die Idee. Es klappt auch gut, wir sind pünktlich da und fahren unseren Track vom Vortag zurück. Trotzdem ist die Brandung hoch und ein Brecher rollt frontal über uns weg. Zu diesem Zeitpunkt stehe ich gerade draussen, um diese Achterbahnfahrt auf Video festzuhalten, muss mich dann aber schnell hinter das Deckshaus weg ducken, geduscht werde ich trotzdem 😜 und nicht nur ich. Durch die übergehende Welle läuft auch Wasser in die Doraden hinten und überschwemmt unser Bettzeug. Zum Glück haben wir alles mehrfach und die Betten sind schnell wieder frisch bezogen. Am Ende kommen wir gut durch und es ist für uns eine weitere neue Erfahrung. Der Rest des Weges verläuft recht unspektakulär. Wir ärgern uns über zu wenig Wind, oder aus der falschen Richtung und die Motorraumlüfter quittieren auch schon wieder den Dienst. Am 24.10.2025 laufen wir in Salvador ein. Die Marina ist etwas shabby, aber eigentlich mögen wir das ganz gerne. Wie üblich sind wir das einzige europäische Boot und werden neugierig beäugt, während wir uns unserem wohlverdienten Anleger Getränk widmen. Dann geht Franz zum Einklarieren und ich mache inzwischen klar Schiff. Für Abends erhalten wir vom Marinero einen Tipp fürs Abendessen und sind schon sehr auf die Altstadt gespannt.

Salvador ist die sechs größte Stadt in Brasilien und der historische Name lautet São Salvador da Bahia de Todos os Santos (Heiliger Erlöser an der Allerheiligenbucht). Der Name geht auf den Tag der Ankunft der ersten Seefahrer zurück. Auch der Name Bahia war bis ins 20. Jahrhunderts gebräuchlich. Bis 1763 war Salvador die Hauptstadt Brasiliens und noch heute ist die Stadt ein anerkanntes internationales Handels-und Wirtschaftszentrum mit einer Erdöl-und Zuckerraffernerie sowie Baumwoll-, Tabak- und Kakaoverarbeitung. Die Stadt ist auf verschiedene Ebenen einer Bergkette gebaut und dadurch in eine Ober-und eine 70m tiefer gelegene Unterstadt unterteilt. Um in die Oberstadt zu gelangen kann man einen Aufzug benutzen (Lacerda). Wie so vieles im öffentlichen Stadtleben in Brasilien ist auch dieser Aufzug gratis.

Seine zweifelhafte Bekanntheit erhält Salvador sicherlich durch die Sklaverei. Ursprünglich lebten in der Küstenregion Indianerstämme, die unter dem Schutz der Jesuiten von der Sklaverei verschont blieben. Dafür wurden angolanische Afrikaner entführt und nach Brasilien verschleppt. Bereits 1551 lebten in Salvador die ersten afrikanischen Sklaven und legten damit den Grundstein für eine afrikanisch geprägte Stadt. Die Stadt wurde am 29. März 1549 durch de Sousa gegründet. Ausschlaggebend für die Stadtgründung waren die zahlreichen Süßwasserquellen, von denen auch heute noch viele funktionieren. Auf Befehl des portugiesischen Königs wurde ein eine Festung mit Namen São Salvador errichtet. Neben diversen Streitigkeiten zwischen Franzosen und Portugiesen wurde Salvador auch von Holländern besetzt. Haupt Exportmittel war Zucker. Die Sklaven arbeiteten auf den Plantagen und Zuckerrohrfeldern des Umlandes. 1763 verlor Salvador seine Rolle als Hauptstadt Brasiliens an Rio de Janeiro. Der afrikanische Einfluss auf Salvador ist nach wie vor sichtbar Dies zeigt sich vor allem in der Küche, der Musik und der Religion., z.B der Candomble (eine brasilianische Religion die ihre Wurzeln in Westafrika hat und in der es um den Austausch der Menschen mit den Göttern geht) und natürlich Capoeira (Kamp(tanz)sport). Salvador gilt bis heute als das Zentrum des Capoeira.

Und so besteigen wir am Abend den Lift und lassen uns in die Oberstadt bringen. Ein kurzer Spaziergang lässt bereits vermuten, dass die historische Altstadt auf jeden Fall einen ausgiebigen Besuch bei Tag wert ist. Aber für heute lassen wir den Abend bei einem wunderbaren Dinner ausklingen. In den kommenden Tagen erledigen wir wieder jede Menge Bootsarbeit und streifen durch die Altstadt. Als wir wegen eines Dokuments bei der Polizei sind, lernen wir dort ein deutsche Paar kennen, das auch mit seiner Segelyacht Ri Norden unterwegs ist. Später kommen sie in die Marina und wir verbringen sehr nette Abende zusammen. Und natürlich laufen auch die Planungen für unsere Weiterfahrt nach Süden. Da wir ja immer auf die Tiefs achten müssen, ist eine gute Abfahrtsplanung mit Ankermöglichkeiten unterwegs essentiell. Am 02.11.2025 verlassen wir Salvador um vor dem nächsten Tief soweit als möglich zu kommen. Die Wahl für einen Ankerplatz um den Gegenwind auszusitzen fällt diesmal auf Vitoria. Eine große Bucht mit ausreichend Schutz und Platz zum Ankern. Morgens um 02:00 laufen wir in die Bucht ein und versuchen die nächsten 2 Stunden unseren Anker zu setzen. Leider besteht der Untergrund aus weichem Schlamm und der Anker slippt ein ums andere Mal. Etwas was wir so garnicht kennen. Normalerweise heisst es Anker rein, einfahren passt. Müdigkeit und Frust und eine widerspenstige Ankerfernbedienung heben auch nicht gerade die Stimmung. Egal wie oft wir es versuchen der Anker hält einfach. nicht. Also beschließen wir einmal um die Ecke zu fahren und es neben einem Bojenfeld zu probieren. Dort hält der Anker endlich. Ich bin zu müde um mich zu freuen. Inzwischen ist es schon hell und wir machen klar Schiff. Nach dem Frühstück hole ich dann doch noch etwas Schlaf nach. Für diesen Tag stehen kein weiteren Abenteuer mehr an. Am nächsten Tag und deutlich ausgeschlafener, lassen wir das Beiboot zu Wasser um im Yachtclub einzuklarieren. Eine sehr nette Anlage mit Restaurant, Pool, Bars und Tennisplätzen und das Beste, wir dürfen die Einrichtungen mit nutzen 😀. Die kommenden Tage werden wir einige Kleinigkeiten am Boot reparieren und mit dem nächsten guten Wetterfenster wieder aufbrechen. Wir müssen ja bis 26.11.2025 das Land verlassen, daher werden wir auf der Strecke nicht mehr allzu viele Stopps einlegen. Brasilien ist ein wunderschönes Land und 3 Monate reichen bei weitem nicht aus um alles zu sehen. Aber wir sind zufrieden mit den Dingen die wir angeschaut haben und was wir mit Sicherheit sagen können ist, dass das Land nicht gefährlich ist wenn man sich an ein paar grundlegende Regeln hält. Wir haben uns immer sicher gefühlt und die Zeit hier sehr genossen. Nun geht es auf zu neuen Ufern, Uruguay wir kommen.

Fortsetzung folgt.

On October 17, 2025, we finally leave Recife and head for Salvador de Bahia. Our engine room fans have been repaired and are working perfectly again, and we leave the marina in good conditions, happy to be on the move again. Unfortunately, the good mood doesn’t last long. After about two hours, Franz goes down to the saloon and seconds later I hear him shout, “Everything’s wet here…” “F***, there’s a hatch open.” The cardinal beginner’s mistake 😵‍💫. Needless to say, we had just hit a really big wave. Salt water poured over the entire large seating area, ran into all the cupboards and drawers and under the floorboards, even where the batteries are installed (luckily nothing was damaged here, which could have been really dangerous), except for the seating area opposite. A complete disaster. Why the hatch was open and who didn’t see it or close it can’t be determined in retrospect, but it doesn’t matter. So we turn around, knowing that we have a huge cleaning job ahead of us. After two hours, we enter the marina, back to our old spot, and start clearing everything out and drying it. What a chore. At least we only have to pay for one night, as the marinero seems to feel sorry for us 😂. After two days of work, everything is clean and dry again, and on October 19, 2025, we make another attempt to reach Salvador. Of course, our good weather window is closed and the next low-pressure systems are forecast from the south, with strong headwinds. It’s important to note that sailing south along the Brazilian coast is not that easy. The wind changes quickly and you can no longer plan for consistent conditions. We already know that we will have to find another quiet corner on our way to Salvador. We choose Aracaju. This bay is well protected, but the approach is tricky. Fortunately, a sailing friend has sent us his track, which we follow exactly. The problem is the surf that builds up in front of the entrance due to the shallow water. On top of that, there is the tide, which, depending on the direction, is either with you and the wind or against you. The approach is exciting, but we get in safely. We are already a little apprehensive about tomorrow’s departure, but then we drop anchor and enjoy the short break. The next day, we set off at 4:00 a.m. with the rising tide so that we are at the exit in the short period between high tide and the beginning of the ebb tide, which will hopefully mean less surf and no current. At least, that’s the idea. It works well, we arrive on time and retrace our route from the previous day. Nevertheless, the surf is high and a breaker rolls over us head-on. At this point, I’m standing outside to capture this roller coaster ride on video, but then I have to quickly duck behind the deckhouse. I still get showered, though, and I’m not the only one. The passing wave also causes water to flow into the dorado at the rear and flood our bedding. Fortunately, we have everything in duplicate and the beds are quickly made up again. In the end, we get through it well and it’s another new experience for us. The rest of the journey is fairly unspectacular. We are annoyed about too little wind, or wind from the wrong direction, and the engine room fans are already out of service again. On October 24, 2025, we arrive in Salvador. The marina is a bit shabby, but we actually quite like it. As usual, we are the only European boat and are eyed curiously as we enjoy our well-deserved dock drink. Then Franz goes to clear customs and I tidy up the boat. For the evening, we get a tip for dinner from the marinero and are already very excited about the old town.

Salvador is the sixth largest city in Brazil and its historical name is São Salvador da Bahia de Todos os Santos (Holy Savior at All Saints‘ Bay). The name dates back to the day the first sailors arrived. The name Bahia was also in use until the 20th century. Until 1763, Salvador was the capital of Brazil, and today the city is still a recognized international trade and economic center with an oil and sugar refinery as well as cotton, tobacco, and cocoa processing. The city is built on different levels of a mountain range and is therefore divided into an upper town and a lower town 70 meters below. To get to the upper city, you can use an elevator (Lacerda). Like so much else in public city life in Brazil, this elevator is free of charge.

Salvador certainly owes its dubious fame to slavery. Originally, Indian tribes lived in the coastal region, who were spared slavery under the protection of the Jesuits. Instead, Angolan Africans were kidnapped and deported to Brazil. The first African slaves were already living in Salvador in 1551, laying the foundation for a city with an African influence. The city was founded on March 29, 1549, by de Sousa. The decisive factor in the city’s founding was the numerous freshwater springs, many of which are still functioning today. On the orders of the Portuguese king, a fortress called São Salvador was built. In addition to various disputes between the French and Portuguese, Salvador was also occupied by the Dutch. The main export was sugar. The slaves worked on the plantations and sugar cane fields in the surrounding area. In 1763, Salvador lost its role as the capital of Brazil to Rio de Janeiro. The African influence on Salvador is still visible today. This is particularly evident in the cuisine, music, and religion, e.g., Candomblé (a Brazilian religion that has its roots in West Africa and is about the exchange between humans and gods) and, of course, capoeira (a martial art/dance). Salvador is still considered the center of capoeira today.

And so, in the evening, we take the elevator up to the upper town. A short walk is enough to suggest that the historic old town is definitely worth a thorough visit during the day. But for today, we end the evening with a wonderful dinner. Over the next few days, we do a lot of work on the boat and wander through the old town. When we visit the police to obtain a document, we meet a German couple who are also traveling with their sailing yacht Ri Norden. Later, they come to the marina and we spend some very pleasant evenings together. And, of course, we are also making plans for our onward journey south. Since we always have to watch out for low pressure systems, it is essential to plan our departure carefully and identify anchorage options along the way. On November 2, 2025, we leave Salvador to get as far away as possible from the next low pressure system. This time, we choose Vitoria as our anchorage to wait out the headwind. It is a large bay with sufficient protection and space for anchoring. At 2:00 a.m., we enter the bay and spend the next two hours trying to set our anchor. Unfortunately, the seabed consists of soft mud and the anchor slips again and again. Something we are not used to at all. Normally, it’s a case of drop anchor, it’s fine. Fatigue, frustration, and a stubborn remote control for the anchor don’t exactly lift the mood. No matter how many times we try, the anchor just won’t hold. So we decide to sail around the corner and try next to a buoy field. There, the anchor finally holds. I’m too tired to be happy. By now, it’s already light and we’re clearing the ship. After breakfast, I catch up on some sleep. There are no more adventures planned for today. The next day, feeling much more rested, we launch the dinghy to check in at the yacht club. It’s a very nice facility with a restaurant, pool, bars, and tennis courts, and best of all, we’re allowed to use the facilities 😀. Over the next few days, we’ll repair a few minor things on the boat and set off again when the next good weather window opens up. We have to leave the country by November 26, 2025, so we won’t be making too many more stops along the way. Brazil is a beautiful country and three months is not nearly enough time to see everything. But we are happy with what we have seen and what we can say for sure is that the country is not dangerous if you follow a few basic rules. We always felt safe and really enjoyed our time here. Now it’s off to new shores – Uruguay, here we come.

To be continued.