Zurück in den chilenischen Kanälen beschließen wir, ein wenig das Gas raus zu nehmen und auf unserem Weg nach Puerto Montt noch Chiloe und ein paar der umliegenden Inseln zu besuchen. Unser erster Stop ist die Caleta Boca Chica, wie ein kleiner See mit abgeflachtem Ufer in dessen Mitte wir bequem ankern können. An Land steht eine kleine Holzkapelle eines Schutzheiligen der Seefahrer und die Fischer bringen immer wieder Kerzen und Blumen dorthin. Je weiter nördlich wir kommen, umso mehr ändert sich die Landschaft. Die wilde unberührte Natur weicht allmählich Besiedelung mit Landwirtschaft und unzähligen Fisch-und Muschelfarmen. Auch müssen wir uns hier einer neuen Herausforderung stellen. Wir brauchen zwar keine Landleinen mehr, dafür gilt es aber einen nennenswerten Tidenhub zu berücksichtigen. Bisher konnte man das in der Regel vernachlässigen, aber bei bis zu 7m Unterschied in der Wassertiefe zwischen Hoch und Niedrigwasser kann das im schlimmsten Fall bedeuten, dass das Boot trocken fällt oder der Anker ausbricht wenn die Kette sich mit dem steigenden Wasser zu sehr verkürzt. Für uns bedeutet das, vor jeder Fahrt die Tide der jeweiligen Umgebung genau zu studieren und Einfahrten in seichte Ankerbuchten dementsprechend zu planen.
Am nächsten Tag fahren wir weiter nach Puerto Quellon. Das erste Mal seit langer Zeit wieder in der Zivilisation einer Kleinstadt mit Autoverkehr, Lärm und Trubel, aber auch großen Supermärkten und einer Gelegenheit unsere Wäsche waschen zu lassen. Durch die Zeit die wir in relativer Einsamkeit weit ab von urbanem Leben verbracht haben, nehmen wir die Eindrücke sehr intensiv war und ich empfinde es als durchaus anstrengend. Und so treibt es uns mit dem nächsten günstigen Wetter auch schon wieder weiter zur Isla Quehui in die Estero Pindo. Das Dörfchen Los Angeles mit seinen bunten Häusern liegt malerisch eingebettet in sanfte grüne Hügel am Ende der Bucht. Wir fahren mit dem Beiboot an Land und müssen auch hier beim Festmachen des Bootes den Tidenhub beachten. Mir einer langen Leine die bereits am Ufer befestigt ist geben wir dem Boot genug Spielraum, zumindest glauben wir das. Es soll sich später zeigen, dass dies ein Trugschluss war. Aus unserer Patagonien Bibel wissen wir, dass es hier eine sehr schöne alte Holzkirche gibt und so machen wir uns auf den Weg die Umgebung zu erkunden. Obwohl klein, weißt doch einiges darauf hin, dass der Ort im Sommer von Touristen frequentiert wird. Jetzt in der Nebensaison ist es allerdings sehr verschlafen. Auf dem Rückweg von der Kirche werden wir von einem freundlichen Chilenen in Beschlag genommen, der auf Spanisch auf uns einredet. Unsere Sprachkenntnisse reichen nicht aus um zu verstehen was genau er von uns möchte, aber es scheint als wolle er uns den örtlichen Supermarkt zeigen, also gehen wir mit ihm dorthin. Die Inhaberin ist sehr nett und spricht auch etwas Englisch. Wir erfahren einiges über den Ort und erhalten sogar einen Flyer für unseren geplanten Spaziergang. Neben ihrer Arbeit im Supermarkt, bekocht sie auch Gäste bei sich zu Hause und wir verabreden ein Mittagessen um 14:00. Nach einem ausgiebigen Spaziergang nimmt uns ihr Bruder (wie wir inzwischen wissen) wieder in Empfang und bringt uns zu ihnen nach Hause. Es gibt einen warmen Gewürzrotwein und Eintopf aus Pulpo (Oktopus) mit Käse überbacken, wahnsinnig lecker und mindestens genauso reichhaltig. Nach dem Essen plaudern wir noch eine Weile und erfahren einiges über das Leben in Patagonien. Mein Respekt könnte nicht größer sein, wenn ich höre wie die Menschen hier leben und mit welchen Problemen und Schwierigkeiten sie tagtäglich konfrontiert sind. Zum Abschied bekommen wir noch ein Stück Lachsforelle und ein spezielles Fischgewürz. Irgendwann in den nächsten Wochen werden wir uns dies zu Gemüte führen und darauf freue ich mich schon. Zurück am Strand stellen wir fest, dass unsere Tidenberechnung nicht so ganz gepasst hat, unser Beiboot erwartet uns c.a. 5m auf dem Strand im Trockenen und wir ziehen es mit vereinten Kräften zurück ins Wasser. Das sollte nicht das letzte Mal gewesen sein. Leider geht es mir kurze Zeit später garnicht gut. Der warme Rotwein hat einen Migräneschub ausgelöst und ich verkrümmel mich mit ein paar Schmerztabletten in meine Koje. Erst 20h später weile ich wieder unter den Lebenden. Den nächsten Tag verbringen wir noch vor Anker und dann geht es weiter auf die Insel Lemuy in die Estero Ichuac. Auch hier gibt es eine Holzkirche zu besichtigen, sowie einen schönen Friedhof mit vielen bunten Blumen. Bei wunderbarem Wetter unternehmen wir eine Wanderung quer über die Insel nach Puqueldon und zurück. Unterwegs gibt es soviel zu sehen, u.a. wie hier die Locals ihre Häuser bauen. Faszinierend. Am nächsten Tag drehen wir eine weitere Runde über die Insel, diesmal in die andere Richtung und bei windigem Regenwetter. Auf dem Rückweg sind wir etwas offroad unterwegs, über Kuh- und Schafweiden, da wir den Weg irgendwie nicht mehr finden. Zum Trost gibt es auf einer Wiese einen großen Apfelbaum mit sehr sehr leckeren Äpfeln. Nass und durchgefroren erreichen wir schließlich die Rampe wo wir unser Beiboot zurück gelassen haben und erleben eine böse Überraschung.
An der Rampe sind in regelmäßigen Abständen Ringe angebracht um die Boote zu befestigen. Als wir angekommen sind haben wir einen Ring relativ weit unten gewählt um sicher zu sein, dass unser Beiboot nicht wieder auf dem Trockenen steht. Was wir nicht berücksichtigt haben, ist wie schnell das Wasser aufläuft sobald die Tide wechselt. Als wir zurückkommen liegt der Ring an dem unser Boot hängt c.a. 1m unter Wasser. Zu hoch für Gummistiefel und aufgekrempelte Hosenbeine. Mir bleibt nichts anderes übrig als Schuhe, Hose und Jacke auszuziehen und ins Wasser zu waten um die Leine zu lösen. Das Wasser ist kalt, aber nicht so schlimm wie ich erwartet habe. Am Ende bin ich klitschnass aber das Boot ist frei und wir können zurück zum Schiff. Kneippen mal anders. Unser nächstes Ziel ist Dalcahue. Der Ort ist wieder etwas größer und deutlich touristischer. Es gibt hier viele Geschäfte mit den typischen Ponchos, Teppichen und allerlei Touristen Nippes. Trotzdem kaufen wir uns einen Wollteppich fürs Boot und einen Pullover für Franz. Ansonsten gibt es nicht viel zu sehen. Allerdings erleben wir ein weiteres Mal was passiert wenn man die Tide nicht berücksichtigt. Der Unterschied ist hier so stark, dass die Boote in Ufernähe alle trocken fallen, das ist aber so gewollt. Bei uns ist es nicht gewollt, trotzdem finden wir unser Beiboot auf der Steinmole sitzend vor, die bei unserer Ankunft noch c.a. 2m unter Wasser war. Also wieder runterheben und versuchen über eine Sandbank in tieferes Wasser zu kommen. Bin gespannt wann wir es schaffen die Zeit richtig zu berechnen.
Das letzte Ziel bevor es direkt nach Puerto Montt geht für eine vorübergehende Pause, ist die Insel Quemchi. Auch hier gibt es eine Holzkirche und etwas Zivilisation, ist aber ansonsten eher unspektakulär und so brechen wir am Mittwoch den 22.4. auf zum letzten Stück unserer Patagonien Tour. Bei gutem Wetter fahren wir hinaus in den Golf von Ancud und Wind und Strom kommen wie angesagt. 2h können wir sogar die Maschine abstellen und nur mit Genua segeln, das hatten wir lange nicht mehr. Um 17:30 erreichen wir die Marina Club Nautico Reloncavi. Wir haben es geschafft. In 6 Wochen von Puerto Williams nach Puerto Montt. Das begießen wir stolz mit einer Flasche argentinischem Sekt und freuen uns hier zu sein. In den kommenden Wochen steht etwas Bootsarbeit und vor allem unser Heimaturlaub an, bevor wir das nächste Kapitel unserer Reise öffnen – den Südpazifik –
Back in the Chilean channels, we decide to slow down a bit and visit Chiloé and a few of the surrounding islands on our way to Puerto Montt. Our first stop is Caleta Boca Chica, which looks like a small lake with a gently sloping shore where we can anchor comfortably in the middle. On shore stands a small wooden chapel dedicated to a patron saint of sailors, and the fishermen regularly bring candles and flowers there. The further north we go, the more the landscape changes. The wild, untouched nature gradually gives way to settlements with farms and countless fish and shellfish farms. We also face a new challenge here. While we no longer need mooring lines, we must now account for a significant tidal range. Until now, this could generally be ignored, but with a difference of up to 7 meters in water depth between high and low tide, this could mean, in the worst case, that the boat runs aground or the anchor breaks loose if the chain shortens too much as the water rises. For us, this means carefully studying the tides of the respective area before every trip and planning entries into shallow anchorages accordingly.
The next day, we continue on to Puerto Quellon. It’s our first time back in the civilization of a small town in a long while—with car traffic, noise, and hustle and bustle, but also large supermarkets and an opportunity to get our laundry done. Because of the time we’ve spent in relative solitude far from urban life, we’re taking in these impressions very intensely, and I find it quite exhausting. And so, as soon as the weather improves again, we head off to Isla Quehui in Estero Pindo. The little village of Los Angeles, with its colorful houses, lies picturesquely nestled among gentle green hills at the end of the bay. We take the dinghy ashore and, once again, have to watch the tidal range when mooring the boat. Using a long line already secured to the shore, we give the boat enough leeway—or so we think. It turns out later that this was a mistake. From our Patagonia guidebook, we know there’s a very beautiful old wooden church here, so we set out to explore the area. Although small, there are signs that the place is frequented by tourists in the summer. Now, in the off-season, however, it’s very sleepy. On the way back from the church, we’re approached by a friendly Chilean who starts chatting to us in Spanish. Our language skills aren’t good enough to understand exactly what he wants from us, but it seems like he wants to show us the local supermarket, so we go there with him. The owner is very nice and speaks a little English. We learn quite a bit about the town and even receive a flyer for our planned walk. In addition to her work at the supermarket, she also cooks for guests at her home, and we arrange to have lunch at 2:00 p.m. After a long walk, her brother (as we now know) picks us up again and takes us to their home. We’re served warm spiced red wine and a pulpo (octopus) stew topped with cheese—incredibly delicious and just as hearty. After the meal, we chat for a while and learn a lot about life in Patagonia. My respect couldn’t be greater when I hear how people here live and the problems and difficulties they face every day.
As a farewell, we’re given a piece of salmon trout and a special fish seasoning. Sometime in the coming weeks, we’ll enjoy this, and I’m already looking forward to it. Back at the beach, we realize that our tide calculation wasn’t quite right; our dinghy is waiting for us about 5 meters up on the dry beach, and we pull it back into the water with combined efforts. That wasn’t to be the last time. Unfortunately, I start feeling terrible shortly afterward. The warm red wine has triggered a migraine, and I curl up in my berth with a few painkillers. It isn’t until 8 p.m. that I’m back among the living. We spend the next day still at anchor, and then we head on to Lemuy Island in the Estero Ichuac. Here, too, there is a wooden church to visit, as well as a beautiful cemetery with many colorful flowers. In wonderful weather, we take a hike across the island to Puqueldon and back. Along the way, there is so much to see, including how the locals build their houses here. Fascinating. The next day, we take another loop around the island, this time in the opposite direction and in windy, rainy weather. On the way back, we end up going a bit off-road, across cow and sheep pastures, since we somehow can’t find the path anymore. As a consolation, there’s a large apple tree in a meadow with very, very tasty apples. Wet and frozen to the bone, we finally reach the ramp where we left our dinghy and are in for a nasty surprise.
Rings are attached at regular intervals along the ramp to secure the boats. When we arrived, we chose a ring relatively low down to ensure our dinghy wouldn’t end up on dry land again. What we didn’t take into account is how quickly the water rises once the tide changes. When we return, the ring our boat is attached to is about 1 meter underwater. Too deep for rubber boots and rolled-up pant legs. I have no choice but to take off my shoes, pants, and jacket and wade into the water to untie the line. The water is cold, but not as bad as I expected. In the end, I’m soaking wet, but the boat is free and we can head back to the ship. A different kind of Kneipp therapy. Our next destination is Dalcahue. The town is a bit larger and significantly more touristy. There are many shops here selling the typical ponchos, rugs, and all sorts of tourist trinkets. Still, we buy a wool rug for the boat and a sweater for Franz. Other than that, there isn’t much to see. However, we experience once again what happens when you don’t take the tide into account. The difference here is so extreme that the boats near the shore all run aground, but that’s intentional. For us, it’s not intentional, yet we find our dinghy sitting on the stone breakwater, which was still about 2 meters underwater when we arrived. So we have to lift it back down and try to get to deeper water via a sandbar. I wonder when we’ll finally manage to calculate the timing correctly.
The last stop before heading straight to Puerto Montt for a temporary break is Quemchi Island. There’s a wooden church here and a bit of civilization, but otherwise it’s rather unspectacular, so on Wednesday, April 22, we set off for the final leg of our Patagonia tour. With good weather, we head out into the Gulf of Ancud, and the wind and current are just as forecast. For two hours, we can even turn off the engine and sail solely under the genoa—something we haven’t done in a long time.
At 5:30 p.m., we reach the Marina Club Nautico Reloncavi. We’ve made it. From Puerto Williams to Puerto Montt in six weeks. We proudly celebrate with a bottle of Argentine sparkling wine and are happy to be here. In the coming weeks, we’ll tackle some boat maintenance and, above all, enjoy our vacation at home before we begin the next chapter of our journey—the South Pacific—














































