Nach 4 Tagen Warten ist es endlich soweit, die Brandung lässt etwas nach und Franz bricht auf zum Abenteuer Landgang. Allein das ablassen des Bootes und Einsteigen ist bei 2m Schwell eine Herausforderung. Insgeheim bin ich froh, dass ich nicht mit muss. Ausgerüstet mit wasserdichter Kleidung, Rettungsweste und Handfunkgerät (kentern ist durchaus im Rahmen des möglichen) macht er sich schließlich auf den Weg. Ich beobachte ihn mit dem Fernglas bis ich sicher bin, dass er gut um die Ecke gekommen ist. Kurz darauf erhalte ich eine Nachricht das alles gut ist. Puh, Hinweg geschafft. 2 Stunden später ist er zurück und war sogar schon ein wenig Einkaufen, während ich das Boot aufgeräumt habe. Der Hinweg war ganz gut machbar, der Rückweg hatte es aber in sich. Wenn man da nicht genau auf die hereinrollenden Wellen achtet und zum richtigen Zeitpunkt Vollgas losfährt (hier wäre jetzt so ein 15PS Aussenborder durchaus hilfreich) wird man schnell zum Spielball der Brecher. Ich sollte das bald selbst erleben dürfen. Für heute lassen wir es aber gut sein und versuchen uns an das Rollen im Boot zu gewöhnen. Man muss sich das so vorstellen, dass der Raum in dem man sich aufhält von rechts nach links 20-25 Grad schaukelt. Man kann inklusive sich selbst nichts ungesichert herumstehen lassen. Mühsam. Am nächsten Tag machen wir uns mit Müll und Wäsche bewaffnet erneut auf den Weg an Land. Es ist echt abenteuerlich. Ich sitze zusammengekauert vorne am Boden im Beiboot und bemühe mich nicht allzu nass zu werden. Erst als wir an der Hafeneinfahrt um die Ecke biegen wird es sofort ruhiger und ich entspanne mich. Der Rest ist Routine, Boot festmachen, aussteigen, alles ausladen. Seit 4 Wochen setzen wir das erste mal wieder einen Fuß auf festen Boden. Dass Gefühl liegt irgendwo zwischen Gleichgewichtsstörung und Erdbeben. Ich werde sofort leicht landkrank. In Bewegung ist es nicht so ausgeprägt, aber sobald man stehen bleibt, bewegt sich der Boden. Ein ganz ungutes Gefühl. Wir machen uns als erstes auf den Weg zur Wäscherei und geben unsere Sachen ab. 15€ für einen Korb Waschen und Trocknen finden wir soweit ok. Anschließend kaufen wir etwas Obst und Gemüse ein und bekommen einen ersten Eindruck der Lebensmittelpreise. Frische Sachen sind erschwinglich, im Supermarkt lässt Du ein Vermögen, genauso in Restaurants. Fairer Weise muss man sagen, dass alles was hier nicht wächst mit dem Boot gebracht werden muss. Ausserdem ist die Insel sehr touristisch. Aktuell ist noch Nebensaison aber ab Dezember beginnt die Hauptreisezeit und dann wird es hier sicherlich richtig voll. Vorteil, es wird fast überall Englisch gesprochen.
Die Insel selbst ist wunderschön. Grün, voller Blumen und Blüten und natürlich nicht zu vergessen die berühmten Steinfiguren, die Moai. Ich bin schockverliebt. So schön hätte ich es mir nicht vorgestellt. Wir laufen noch eine Weile herum, Essen eine Kleinigkeit und machen uns dann auf den Rückweg. Raus aus dem kleinen Hafen ist kein Problem, aber dann kommt der Moment der Wahrheit. Wir müssen die ankommenden Wellen so abpassen, dass uns kein Brecher von vorne erwischt. Franz macht das super, ich bin keine große Hilfe und hab Schiss dass wir kentern. Die nächste Herausforderung ist das Anlanden am Schiff. Die Welle hebt und wirft uns 2m gegen den Rumpf und ich versuche irgendwie eine Leine über eine Klampe zu bekommen. Festhalten am Schiff kann ich mich nicht, da meine Arme keine 2m lang sind. Sobald es wieder abwärts geht muss ich loslassen. Wir müssen mehrmals anfahren bis es mir gelingt und ich zurück an Bord klettern kann. Mann, bin ich froh. An das nächste Mal will ich garnicht denken.
Alle Sehenswürdigkeiten und Zeremonienplätze auf der Insel sind zu einem Nationalpark zusammengefasst, für den man natürlich Eintritt bezahlen muss. Allerdings ist ein Ticket einen Monat gültig was den Preis pro Person von 95€ ein wenig relativiert. Wer jetzt glaubt, dass man mit einem Leihwagen oder auch zu Fuß selbst ganz entspannt Sightseeing machen kann, der irrt. Der Zugang zum Nationalpark ist nur mit Guide gestattet, d.h. zu den Ticketkosten kommt dann noch die Tour dazu. Am Ende kostet der Spass für eine private Tour fast 400€. Trotzdem möchten wir uns diesen Luxus leisten und buchen uns über Get your Guide eine 3-stündige Tour am Samstag Vormittag, bevor wir zur nächsten Ankerbucht aufbrechen. Bereits am Freitag Abend bekomme ich eine Nachricht, das der deutschsprachige Guide leider verhindert ist. Nicht dass ich einen wollte, das war in der Buchung einfach so drin. Englisch ist uns eh lieber. Ein paar Stunden später erhalte ich eine weitere Nachricht, dass sie einen Plattfuß haben und uns erst gegen 10:00 am nächsten Tag an unserem Treffpunkt abholen können. Ein ungutes Gefühl beschleicht mich, wenn es schon so losgeht, ausserdem haben wir ja nur 3h Zeit. Da wir bereits ausklariert sind müssen wir Hanga Roa am Samstag spätestens um 15:00 verlassen. Samstag Früh fahren wir an Land und da wir etwas zeitig dran sind genehmigen wir uns noch ein Frühstück am Hafen. Dann schlendern wir zu unserem Treffpunkt und warten. Um 10:30 bekommen wir Bescheid, dass sich die Reparatur bis Mittags hinzieht. So ein Mist. Ich bin sauer und enttäuscht und storniere die Tour. Jetzt ist guter Rat teuer. Wir können doch nicht hier gewesen sein ohne wenigstens irgendwas vom Nationalpark gesehen zu haben. Andererseits haben wir nur noch bis maximal 13:00 Zeit. Wir beschließen zum Ticketoffice zu gehen und nach einem Guide zu suchen, der uns am Vortag bereits angesprochen hat. Wir finden Steve und er ist super flexibel und will uns helfen. Mit seinem Fahrer organisiert er auf die schnelle eine Expresstour für uns und entpuppt sich als hervorragender Fremdenführer. Er vermittelt uns in der kürze der Zeit so viel Informationen zu Kultur und Geschichte von Rapa Nui, dass wir die Insel dankbar und mit einem guten Gefühl verlassen. Nachdem wir noch ein paar Einkäufe erledigt haben, fahren wir zurück zum Schiff und machen uns Abfahrtbereit. 2.5h später fällt unser Anker vor Vinapu. Hier verbringen wir die Nacht um Morgen Richtung Pitcairn aufzubrechen. Die Zeit hier war kurz und unbequem, trotzdem hat es sich mehr als gelohnt. Das nächste Mal würden wir allerdings hinfliegen.
Am Sonntag um 15:00 heißt es dann Anker auf. Die ersten 3h motoren wir, danach können wir Segeln. Leider wird der Wind wie vorhergesagt immer weniger, so dass wir zwischendrin den Motor dazu nehmen müssen. So geht es bei strahlendem Wetter die ersten 1.5 Tage dahin. Schnell finden wir wieder in unsere Routine und den 3h Rhythmus. Inzwischen liebe ich die Nachtwachen, wenn alles ruhig ist, der Mond scheint und man Millionen von Sternen sehen kann. Es gibt allerdings eine Eigenheit hier im Pazifik die fast jede Nacht auftritt, Squalls (Regenzellen die mit heftigen Windböen einhergehen). Inzwischen haben wir uns schon daran gewöhnt, dass wir mindestens von einem pro Nacht heimgesucht werden und auf dem Radar kann man sehr schön sehen wenn etwas im Anzug ist. So auch in dieser Nacht während meiner Wache. Ich habe den Squall schon eine ganze Weile im Auge und als klar ist, das ser unseren Weg kreuzt, mache ich mich fertig um unsere Bäume etwas raus zu lassen (das bedeutet, man nimmt Druck aus dem Segel, damit sich das Schiff in den Böen nicht so stark auf die Seite legt). Auf einmal kracht und flattert es draussen wie wild und alle Segel stehen back (d.h. der Wind fällt von der falschen Seite ein). So wie es aussieht ist das Boot in den Wind geschossen und kurz überlege ich ob ich beim Windshift kurz vorher versehentlich den Autopiloten ausgemacht habe. In dem Moment kommt schon Franz aus dem Bett geschossen und wie üblich ist die erste Frage „Was hast Du gemacht?“ Nichts hab ich gemacht. Der Autopilot hält das Boot nicht mehr. Zuerst einmal starten wir den Motor und versuchen gegen die Böen das Boot wieder auf Kurs zu bringen, dann checken wir den Autopiloten. Allerdings können wir ihn nicht reaktivieren. So steuern wir den Rest der Nacht mit der Hand und wechseln uns stündlich ab. Der Squall war natürlich nach c.a. 10 min vorbei. Als es hell wird, versuchen wir die Aries in Betrieb zu nehmen. Das ist die einzige Alternative. Leider haben wir so wenig Wind, dass sie nicht zuverlässig arbeitet. Müde und erschöpft bergen wir die Segel, schalten die Maschine aus und lassen uns treiben. So können wir wenigsten etwas Schlaf nachholen. Später, mit klarem Kopf, besprechen wir unsere Lage. Viele Möglichkeiten haben wir nicht, wollen wir nicht 2000 Seemeilen mit der Hand steuern. Im Grunde macht nur eine Rückkehr zu den Osterinseln Sinn. 200 Seemeilen versus 2000. So drehen wir um 17:00 um und beginnen unseren Rückweg. Leider haben wir den Wind genau von vorne, so dass wir nicht Segeln können sondern die ganze Strecke zurück motoren müssen. Wir wechseln uns jede Stunde mit Steuern ab und zwischendurch treiben wir mal für 2-3h um zu Essen und zu schlafen. Es ist sehr anstrengend keine Frage, aber man merkt, wie einem die Übung fehlt wenn man nur mit Autopilot fährt. So hat die Sache wenigstens auch was Gutes. Nach 48h erreichen wir unser Ziel und um 17:00 fällt der Anker wieder vor Hanga Roa. Wir sind müde aber glücklich es geschafft zu haben und morgen wird der Patient ausgebaut und zerlegt.
After waiting four days, the time has finally come: the swell has died down a bit, and Franz sets off on his shore excursion. Just launching the boat and getting in is a challenge with a 2-meter swell. Secretly, I’m glad I don’t have to go with him. Equipped with waterproof clothing, a life jacket, and a handheld radio (capsizing is definitely a possibility), he finally sets off. I watch him through my binoculars until I’m sure he’s made it safely around the corner. Shortly afterward, I get a message saying everything’s fine. Phew, the trip out is done. Two hours later, he’s back—and he’s even managed to do a little shopping while I was tidying up the boat. The trip out was quite manageable, but the return trip was a real challenge. If you don’t pay close attention to the rolling waves and hit full throttle at just the right moment (a 15 PS outboard motor would definitely come in handy here), you quickly become at the mercy of the breaking waves. I’d soon get to experience that for myself. But for today, we’ll call it a day and try to get used to the boat rolling. Imagine the space you’re in rocking from right to left at an angle of 20–25 degrees. You can’t leave anything—including yourself—standing around unsecured. It’s a hassle. The next day, armed with trash and laundry, we head ashore again. It’s a real adventure. I’m huddled on the floor at the front of the dinghy, trying not to get too wet. It’s not until we round the corner at the harbor entrance that things immediately calm down and I relax. The rest is routine: tie up the boat, get out, unload everything. It’s the first time in four weeks that we’ve set foot on solid ground. The feeling is somewhere between a loss of balance and an earthquake. I immediately start to feel a little land-sick. It’s not as noticeable when we’re moving, but as soon as we stop, the ground shifts. A very unpleasant feeling. First, we head to the laundromat and drop off our laundry. We think €15 for a basket of washing and drying is okay. Afterward, we buy some fruit and vegetables and get a first impression of food prices. Fresh produce is affordable, but you’ll spend a fortune at the supermarket—and the same goes for restaurants. To be fair, it’s worth noting that anything that doesn’t grow here has to be brought in by boat. Plus, the island is very touristy. It’s still the off-season right now, but the peak travel season starts in December, and then it’s sure to get really crowded here. On the plus side, English is spoken almost everywhere.
The island itself is beautiful. Green, full of flowers and blooms—and, of course, not to mention the famous stone figures Moai. I’m head over heels in love. I never imagined it would be this beautiful. We walk around for a while longer, grab a bite to eat, and then head back. Getting out of the small harbor is no problem, but then comes the moment of truth. We have to time the incoming waves so that a breaking wave doesn’t hit us head-on. Franz handles it great; I’m not much help and I’m scared we’ll capsize. The next challenge is docking at the ship. The wave lifts us up and throws us 2 meters against the hull, and I try to somehow get a line over a cleat. I can’t hold onto the boat because my arms aren’t 2 meters long. As soon as we start going down again, I have to let go. We have to try several times before I succeed and can climb back on board. Man, am I glad. I don’t even want to think about the next time.
All the sights and ceremonial sites on the island are part of a national park, for which you naturally have to pay an entrance fee. However, a ticket is valid for one month, which puts the price of 95€ per person into perspective a bit. Anyone who thinks we can go sightseeing on our own—whether by rental car or on foot—in a relaxed manner is mistaken. Access to the national park is only permitted with a guide, which means the tour fee is added to the ticket cost. In the end, a private tour costs nearly €400. Still, we want to treat ourselves to this luxury and book a 3-hour tour via Get Your Guide for Saturday morning before we set off for the next anchorage. Already on Friday evening, I receive a message saying that the German-speaking guide is unfortunately unavailable. Not that I wanted one—it was just included in the booking. We prefer English anyway. A few hours later, I get another message saying they have a flat tire and won’t be able to pick us up at our meeting point until around 10:00 the next day. A queasy feeling creeps over me—if things are starting off like this, and besides, we only have three hours. Since we’ve already cleared customs, we have to leave Hanga Roa by 3:00 p.m. on Saturday at the latest. Early Saturday morning, we head ashore, and since we’re a bit early, we treat ourselves to breakfast at the harbor. Then we stroll to our meeting spot and wait. At 10:30 a.m., we’re told that the repair will drag on until noon. What a bummer. I’m angry and disappointed, so I cancel the tour. Now we’re at a loss. We can’t have come all this way without seeing at least something of the national park. On the other hand, we only have until 1:00 p.m. at the latest. We decide to go to the ticket office and look for a guide who had already approached us the day before. We find Steve, and he’s super flexible and willing to help us. Together with his driver, he quickly organizes an express tour for us and turns out to be an excellent tour guide. In such a short time, he shares so much information about the culture and history of Rapa Nui that we leave the island feeling grateful and on a high note. After taking care of a few last-minute purchases, we head back to the ship and get ready to set sail. 2.5 hours later, we drop anchor off Vinapu. We’ll spend the night here before setting off for Pitcairn tomorrow. Our time here was brief and uncomfortable, but it was more than worth it. Next time, though, we’d fly there.
On Sunday at 3:00 p.m., it’s time to weigh anchor. We motor for the first 3 hours, then we can sail. Unfortunately, as predicted, the wind keeps dying down, so we have to use the engine from time to time. That’s how we spend the first 1.5 days in glorious weather. We quickly get back into our routine and the 3-hour rhythm. By now, I’ve come to love the night watches, when everything is quiet, the moon is shining, and you can see millions of stars. There is, however, one peculiarity here in the Pacific that occurs almost every night: squalls (rain cells accompanied by violent gusts of wind). By now, we’ve gotten used to being hit by at least one per night, and on the radar you can clearly see when something’s brewing. That’s exactly what happened this night during my watch. I’d been keeping an eye on the squall for quite a while, and once it was clear it was heading our way, I got ready to ease off the sheets a bit (which means taking some pressure off the sail so the boat doesn’t heel too much in the gusts). Suddenly, there was a wild crash and fluttering outside, and all the sails were blowing back (meaning the wind was coming in from the wrong side) . It looks like the boat has veered into the wind, and for a moment I wonder if I accidentally turned off the autopilot just before the wind shift. Right then, Franz shoots out of bed, and as usual, his first question is, “What did you do?” I didn’t do anything. The autopilot is no longer holding the boat steady. First, we start the engine and try to get the boat back on course against the gusts, then we check the autopilot. However, we can’t get it to work again. So we steer by hand for the rest of the night, taking turns every hour. The squall was over after about 10 minutes, of course. When it gets light, we try to get the Aries up and running. That’s the only alternative. Unfortunately, there’s so little wind that it doesn’t work reliably. Tired and exhausted, we furl the sails, shut off the engine, and let ourselves drift. At least this way we can catch up on some sleep. Later, with a clear head, we discuss our situation. We don’t have many options if we don’t want to steer 2,000 nm by hand. Basically, the only sensible option is to return to Easter Island. 200 nm versus 2,000 nm. So we turn around at 5:00 p.m. and begin our return journey. Unfortunately, the wind is blowing directly head-on, so we can’t sail and have to motor the entire way back. We take turns at the helm every hour, and in between, we drift for 2–3 hours at a time to eat and sleep. It’s very exhausting, no question, but you really notice how much practice you’ve lost when you’re just sailing on autopilot. So at least there’s a silver lining. After 48 hours, we reach our destination, and at 5:00 p.m., we drop anchor again off Hanga Roa. We’re tired but happy to have made it, and tomorrow we’ll remove and dismantle the “patient.”














